© Ena Mihoci

Meine persönlichen Wedding Trends 2026

Meine Trends im neuen Jahr? Trendabstinenz! Dem Zeitgeist nicht hinterherlaufen, sondern ihm gelegentlich voraus sein.

Auch trendmüde geworden?

Wir sehen es alle "all over instagram" - das sind die aktuellen Trends der Weddingseason 2026.

Überall weiße Tücher, Lilien und Orchideen als Brautsträuße, ausgefallene, beinahe futuristische Papeterie. Alles wundervoll, clean, old-money, und man riecht beinahe den feinen Duft frisch gewaschener Wäsche in den Einladungskarten. Es ist hübsch, aber wisst ihr, wovor es mir schon wieder graust? Eine gesamte Hochzeitssaison lang zu denken, ich befände mich auf ein und derselben Hochzeit – immer wieder. Mal wird der Versuch unternommen, die Instagram-Version mit kleinem Budget irgendwie nachzubasteln, und ein anderes Mal wird alles vorlagengerecht bis ins kleinste Detail nachempfunden. Mal wieder so, dass es aussieht wie in einem Hochglanzmagazin und bloß „instagramtauglich“ ist.

Ich verstehe die Intention – wirklich! Auch ich bin ein Fan von ästhetischen Designs, langen, fließenden Stoffen und Farben, die ineinander zu verlaufen scheinen. ABER: Wollen wir wirklich alle auf der gleichen beige-creme-nuancierten Hochzeit stehen, oder trauen wir uns endlich wieder, Persönlichkeit zu zeigen?

Wer hat eigentlich wann beschlossen, dass es den Kuchen immer nach der Trauung oder kurz vor Mitternacht geben muss? Warum dürfen die Gäste nicht schon eine kleine Macaron zum Empfang genießen und dazu vielleicht ein Glas Champagner? Oder kommt da die Hochzeitspolizei, weil das sprudelnde Gold erst über mehrere Gläser in Form eines „Towers“ gestapelt fließen muss, bevor man es genießen darf?

© Ena Mihoci

Natürlich benötigt eine Hochzeit ein Minimum an Timing und Planung. Bei einer Trauung bespreche ich gerne jedes kleine Detail mit dem Paar, damit alles perfekt für die beiden wird. Doch wo endet unser Drang nach der perfekten Hochzeit, und wann beginnt die wahre Seele einer solchen Feier? Letztens las ich in der aktuellen Ausgabe der Vogue über die Hochzeit von Designerin Pauline Ghassemi und ihrem Mann Arash. Die beiden hatten keinen strengen Zeitplan, es sei ihnen wichtig gewesen, dass sie ihre Hochzeit selber genießen und von ihrem Partykleid, welches es nur gab, weil vom ersten Kleid der Reißverschluss riss, gibt es – haltet euch fest – keine Fotos! Auf die Frage warum, antwortete sie gelassen: „Auf richtig guten Partys macht man ja höchstens am Anfang Fotos.“

Und ich glaube, dass das der springende Punkt ist. Wollen wir nun Hochzeit feiern, um das perfekte Foto einer einwandfreien Dekoration am Ende an unsere Wand mit den Erinnerungsfotos zu hängen? Oder soll nach der Hochzeit jeder davon sprechen, dass es die Feier des Jahrhunderts war? Die Erinnerungen dieser Nächte blieben für immer, glaubt es mir, da braucht man oft nicht mal ein Foto von.

Natürlich stand ich auch schon auf Hochzeiten, bei denen gar nichts geplant zu sein schien. Ein einziges Chaos war das Ergebnis: Bräute, die im Regen standen, oder Dienstleister, die erst überhaupt nicht kamen.

Es braucht Professionalität, um eine gelungene Feier aus dem Boden zu stampfen. Aber vielleicht liegt der Zauber (wie so oft) in der goldenen Mitte aus Hochglanzmagazin und absoluter Verwirrung.

Die schönsten Trauungen sind die, bei denen plötzlich etwas Unvorhergesehenes passiert, was man nicht planen kann. Im positiven Sinne! Ein Gast springt ans Mikro und sorgt für Gänsehaut, die Hose vom Bräutigam reißt, weil er die coolsten Tanzmoves hinlegt oder die Gäste führen einen spontanen Flashmob auf – das ist es, was eure Feier unvergesslich macht! Lasst euch von eurem persönlichen Stil leiten! Wenn ihr ein pinkes Hochzeitskleid wollt, dann macht das! Und wenn die ganze Nacht nur Hard Tech laufen soll, dann ab damit! Nur denkt dran, dass die Nachbarn nicht zu nah sind. ;)

Traut euch, euren eigenen Trend zu setzen! Ich persönlich träume schon davon, auf einer freien Trauung im Sonnenuntergang zu stehen – oh wartet, das werde ich ja in diesem Jahr! Und all meinen Paaren rate ich, ihre persönlichen Ideen zu leben, kreativ zu sein und vielleicht etwas zu schaffen, das länger hält als jeder Neujahrstrend.


Fotos: © Ena Mihoci


Eure Maxi